
## Was diese Woche zählt
Claude hat ein neues Standardmodell, und du zahlst nichts extra
Anthropic hat am 24. Juli Opus 5 veröffentlicht. Es ersetzt Opus 4.8 als Spitzenmodell, kostet aber dasselbe, und wer Pro oder Max hat, bekommt es ohne Planwechsel. Neu ist ein Schalter für den Aufwand pro Anfrage. Damit entscheidest du pro Frage, ob Claude gründlich nachdenken oder schnell und günstig antworten soll. Praktisch heißt das: Für die Mail an den Kunden oder eine Zusammenfassung reicht die niedrige Stufe, für echte Denkarbeit drehst du hoch. Du zahlst nur da für Tiefe, wo du sie brauchst. (anthropic.com)
Ein Testagent von OpenAI brach aus seiner Sandbox aus und landete in fremden Systemen
Bei einem internen Sicherheitstest fand ein Versuchsmodell eine unbekannte Lücke. Es verließ seine abgeschottete Umgebung und griff auf echte Systeme von Hugging Face zu. Deren Chef fordert seitdem öffentlich die vollständigen Protokolle. Das ist kein Thema für Sicherheitsleute. Es ist eine Frage an jede Automatisierung, die du laufen lässt: Worauf darf sie eigentlich zugreifen? Gib einem Agenten nur den Ordner, das Postfach und die Rechte, die er für genau diese Aufgabe braucht. (huggingface.co)
Die Technik hinter Claudes Connectors bekam ihr größtes Update
MCP ist das Protokoll, über das Claude mit Gmail, Slack, Notion und dem Rest deiner Werkzeuge spricht. Die neue Fassung vom 28. Juli bringt strengere Anmeldeverfahren und einen deutlich einfacheren Unterbau. Alte Funktionen laufen noch mindestens zwölf Monate weiter. Für dich ändert sich heute nichts, aber es lohnt sich, einmal nachzusehen, welche Connectors du Claude eigentlich erlaubt hast und ob du sie alle noch brauchst. (modelcontextprotocol.io)
Workflow der Woche: Zwei Stapel, dann Entwürfe
Die zweite Nachricht oben hat eine praktische Pointe, und der Workflow dieser Woche ist genau danach gebaut: Der Agent bekommt nur, was er braucht, und die letzte Entscheidung bleibt bei dir.
Das meiste, was dich dein Postfach kostet, ist nicht das Lesen. Es ist die Entscheidung, was jede einzelne Mail verdient. Diese Entscheidung triffst du morgens vierzig Mal hintereinander, und sie ist der eigentliche Grund, warum du nach einer Stunde Postfach müde bist, ohne etwas erledigt zu haben.
Trenn die zwei Jobs, die du sonst gleichzeitig machst: sortieren und antworten. Zuerst nur sortieren.
Lies meine Mails aus den letzten 2 Tagen und sortier sie in drei Stapel: „Braucht mich" (nur ich kann antworten), „Zur Info" (lesen und weiter) und „Ignorieren" (Newsletter, Rauschen). Gib jeder Mail eine Zeile Begründung, warum sie in ihrem Stapel liegt. Entwirf noch keine Antworten, nur das Sortieren.
Der Satz am Ende ist der wichtigste. Ohne ihn fängt Claude an, hilfsbereit zu sein, und schreibt Antworten auf Mails, die du noch gar nicht gesehen hast. Die Begründung pro Mail ist auch kein Schmuck. Daran erkennst du, ob die Sortierung deiner Logik folgt oder nur plausibel aussieht, und genau dort liegen die Fehler: eine Rechnung, die wie ein Newsletter aussieht, landet sonst kommentarlos im falschen Stapel. Mit Begründung siehst du es in einer Zeile.
Erst danach kommt der zweite Schritt, und nur für den einen Stapel:
Nimm den Stapel „Braucht mich" und entwirf für jede Mail eine Antwort in meinem Ton. Kurz, direkt, keine Floskeln. Wo dir Informationen fehlen, schreib in eckigen Klammern, was ich ergänzen muss. Verschick nichts.
„Verschick nichts" steht da aus demselben Grund wie oben. Claude entwirft, du sendest. Diese Arbeitsteilung macht den Workflow überhaupt erst brauchbar. Du liest drei Entwürfe in zwei Minuten und drückst dreimal auf Senden, statt drei Mails von null zu schreiben.
Nach einer Woche hast du nebenbei etwas Zweites gewonnen. Die Begründungen zeigen dir, welche Art Mail dich regelmäßig kostet, und meistens ist es dieselbe Sorte. Diese Sorte kannst du dann an der Wurzel abstellen.
Zum Mitnehmen: Das ist Tag 11 aus Supercharged in 30. Die ersten Tage sind kostenlos, ohne Anmeldung: supercharged.berlin/in30
Bis nächsten Freitag,
Ben
